CampNaNo #1: Damn it, too much ♥

Heute beginnt das CampNaNo, der kleine Bruder des NaNoWriMo – und natürlich habe ich mich dort angemeldet! Anders als beim NaNo im November kann man sich hier die zu erzielenden Wortzahlen selber aussuchen, je nachdem, was der Monat voraussichtlich hergeben wird. Mein Ziel: 60k. Das wird ja wohl zu schaffen sein!

Dank der vorlesungsfreien Zeit setzte ich mich pünktlich um Mitternacht an den Laptop. Ich war gut vorbereitet: Die Outlines der kommenden Szenen stehen, das Magiesystem ist frisch „umgeweltenbaut“, die Szenen hatte ich mehr oder weniger genau im Kopf. Also schrieb ich. Und schrieb weiter. Um 4 Uhr konnte ich auf über 6k Wörter zurückblicken. Klingt gut? Ja! Und dann wieder doch nicht.

Das Problem

Das Projekt habe ich mir im Kopf so schön düster zurecht gezeichnet. Blutig soll es werden, brutal, tiefsinniger zumindest als GZSZ und gesellschaftskritisch bei hohem Fokus auf die Charaktere. Genau letzteres macht mir nun einen Strich durch die Rechnung. Meine beiden Anfangs-Protagonisten sind ein Paar. Das wird sich bald trennen müssen, doch das ändert nichts daran, dass sie jetzt in heißer Liebe füreinander entbrennen. Und sie reden. Über den jeweils anderen mit Dritten. Und obwohl es in dem Plot Sinn macht, dass sie genau das tun – anderen Menschen ihre Liebe zueinander beteuern, da es im wahrsten Sinne des Wortes um Leben und Tod geht – ist es unglaublich unpassend innerhalb dieses Genres. Als ich auf die 6k Wörter zurück blickte, auf immerhin 31 Seiten, fühlte ich mich, als sei ich in einem gottverdammten Liebesfilm! Oder noch „schlimmer“ im Sinne meines Settings: Wie ein Romantasyroman mit den typischen, gefährlichen Monstern als LoveInterests. Beispiel gefällig?

Kummer spiegelte sich sowohl in ihrem Gesicht, als auch ihrem Tonfall wider: „Warum rennst du derart wissentlich ins Verderben? Das ist keine romantische Liebesgeschichte, die du dir zurecht malst. Das ist die Realität. Er ist kein verzauberter Frosch und du keine Prinzessin. Ich möchte ein glückliches Ende für dich! Das erhältst du aber nicht mit ihm. Wenn er dich nicht verletzt, wenn er dich nicht tötet, so wird er dich benutzen und wegwerfen. Er ist kein Mensch, Ashinari; er ist eine Missgeburt!“
„Dann finde dich damit ab, dass du bald eine Missgeburt als deinen Schwiegersohn anerkennen musst!“

Den gleichen Text könnte man 1:1 (gut. In überarbeiteter Version natürlich, das hier ist nur die Rohversion frisch aus der Nacht.) in einem Romantasyroman finden. Romantasy ist nicht schlimm. Es ist nur eigentlich nicht meins und gehört nicht in mein Skript.

Ich überlege nun, ob ich diese 6k einfach wieder streichen und durch Passenderes ersetzen soll. Ein wenig umplotten, einen anderen Blickwinkel für die Szenen wählen, Ashinari vielleicht statt zu ihren Eltern nach rechts woanders hin abbiegen lassen… da gäbe es einige Möglichkeiten. Das ist das Dumme, wenn man sich zu stark von den Charakteren leiten lässt. Sie meinen es ja nur gut und agieren, wie sie nun mal agieren. Das ist ärgerlich, aber zum Glück wäre es nicht der komplette Roman, den ich umwerfen muss. Vielleicht gebe ich diese Szenen auch einfach meinen Textpaten und gucke, was sie dazu zu sagen und was für Ideen sie vielleicht haben.

Mein erster CampNaNo-Tag lief also hervorragend und gleichzeitig doof. Weitere Fakten:

Geschriebene Wörter bislang: 6214
Seiten: 31
Lieblingsstelle: „Erschöpft sah er genau in die Mittagssonne hinauf.
Weit aus der Ferne glühend, die Strahlen nach ihm ausstreckend, so viel Wärme versprechend, ohne dass sie zu ihm hindurch dringen konnte. Mit Leichtigkeit wurde sie von der kalten Meeresluft vertrieben, die über seine nackte Brust strich.“ Weil: Sonne!
Blödster Wortfehler:„Ihr Blick war gefangen von dem Kaffee, der aus den schmalen Fenstern drang und sich erst in weiter Ferne des Himmels zu verlieren schien.“ –> Ich glaube, es ging eigentlich nicht um Kaffee, sondern um Qualm. Aber das ist nur ein Gerücht.

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17 Kommentare

  1. Ganz ehrlich? Lass dich nicht von Genre-Konventionen verunsichern. Es ist deine Geschichte, es sind deine Charaktere und es ist deine Entscheidung, wie du es umsetzt. Wenn in einem 100k-Epos mal 6k Beziehungsgeflecht vorkommt – so what?! Eine Geschichte kann nicht hunderte Seiten lang düster und bedrohlich sein, ehrlich, so was könnte ich gar nicht lesen. Und bislang hatte ich nicht den Eindruck, dass du da ein Heile-Welt-Szenario entwirfst, in dem alle tanzen und Blümchen streuen. ;)

    Du hast dir eine realistische, charakter-nahe Fantasy-Story auf die Fahne geschrieben, und Liebe, Konflikte und Beziehungen sind nun einmal realistisch und charakternah. ;) Wenn du am Ende merkst, dass diese 6k doch nicht wirklich ins Gesamtkonzept passen, kannst du sie immer noch streichen. Aber wenn es sich beim Schreiben richtig angefühlt hat, dann hat es sicherlich auch seine Berechtigung. Die Charaktere haben fast immer recht :D (leider!).

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    1. Meinste?
      Im Geiste sehe ich halt schon die gestandenen Männer, die „Low Fantasy“ gesehen haben und dann aufgrund solcher Dialoge in ihren prächtigen Bart kotzen :D
      Aber dafür habe ich ja Leute wie dich!
      Auf jeden Fall lasse ich sie erstmal so stehen und gucke später im Gesamtkontext nochmal nach, vielleicht fühlt sie sich da nicht mehr so „rosa“ an.
      Beim Schreiben habe ich die ganze Zeit gedacht: „Jo. So würde das in dem Moment ablaufen!“ ABer naja. Ist wirklich kein DRama, ich saß nur beim nochmaligen Durchlesen etwas bedröppelt guckend vor dem Text :D

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      1. Hehe, und wenn schon, dann lass sie kotzen. :D
        Man würde sich übrigens wundern, das mit den Geschlechtern funktioniert echt weniger gut als man denkt. Ich hatte schon männliche Betas, die bei den Kitschszenen Pipi in den Augen hatten, und weibliche, die sich in den nicht vorhandenen Bart gekotzt haben. :D Also am Ende alles sehr relativ.

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  2. Erst Rohfassung schreiben, dann überarbeiten. Du kannst im Moment gar nicht einschätzen, ob und wie sehr daneben es ist. Die Szene steht, jetzt gehts weiter. Wenns dir zu rosarot ist, kill einfach ein paar Leute als nächstes.

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  3. Ich habe gerade Deinen Wortfehler zweimal lesen müssen und mich gefragt, was meint sie? Dann machte es Klick… *kicher* Da Du das nachts geschrieben hast, ist das vielleicht ein Freudscher Verschreiber???

    Ich lese ja mit sehr großer Begeisterung Liebesromane, aber irgendwie ist mir der Begriff Romantasy noch nie untergekommen. Ist das Deutsch für Paranomal?
    Auf jeden Fall muss ich sagen, dass mir der kurze Absatz einerseits gefallen hat (hat sofort Bilder und weitere Geschichten im Kopf entstehen lassen, alle sehr romantisch und mit Sicherheit nicht Dein Ding) und andererseits nicht gepasst hat (irgendwie zu gezwungen romantisch; da die Richtung überhaupt nicht von Dir beabsichtigt war, finde ich das in Ordnung, sollte sich das doch zu einer Liebesgeschichte entwickeln, würde ich die Mutter nicht ganz so „mutterhaft“ reden lassen).
    Hast Du schon einen Klappentext? Oder mehr Infos zu der Geschichte, die ich jetzt nur einfach übersehen habe?

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    1. Definitiv war das ein Freudscher Vertipper! :D

      Romantasy: Mischung aus Romance und Fantasy. Kann sein, dass darunter auch Paranormal fällt, dafür kenne ich mich in dem Genre allerdings zu wenig aus. ;)

      Die Hintergrundgeschichte der beiden ist auch durchaus sehr romantisch, aber das sollte auch eher Hintergrundgeschichte bleiben. Na, ist ja nicht so, als sei jetzt der ganze Roman kaputt. :D

      EIn paar Infos habe ich hier: https://wortgezeiten.wordpress.com/das-flustern-der-verstosenen/ Aber ich bin echt sauschlecht im pitchen :D

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  4. Ich erlaube mir, einen gaaanz kleinen und gaaanz dezent anderen Standpunkt einzunehmen als meine Vorredner. Wenn es sich um Textstellen irgendwo in deinem Roman handeln würde, dann würde ich auch sagen, dass man es hinterher in der Überarbeitung glattbügeln kann. Falls es aber schon am Anfang so ist, dass es sich anfühlt, als wäre es „falsch“, dann würde ich, denke ich, diesen Anfang noch einmal überdenken und ggf. umschreiben. Ich zumindest wäre so gestrickt, dass ich in Gedanken immer wieder an diesem, möglicherweise misslungenen, Anfang hängenbleiben würde.

    Aber da unterscheiden wir uns alle voneinander und jeder muss schauen, wie es sich für ihn/sie richtig anfühlt.

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    1. Jeder Standpunkt ist willkommen und hat eine Daseinsberechtigung!

      Die Textstelle ist jedenfalls nicht gleich am Anfang sondern im letzten Drittel des ersten Aktes ;)
      Aber ich denke, ich werde zwischendrin noch einen neuen Protagonsietn zu Wort kommen lassen, damit es auch im ersten Akt nicht so wirkt, als sei es eine Geschichte zwischen dem Noch-Pärchen. Und dann gucke ich weiter!

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  5. Auch wenn ich etwas spät dran bin, aber ich würd es definitiv nicht streichen. Ich würd es stehen lassen und gegebenefalls am Ende dann überarbeiten, wenn du die rauhen Ecken und Kanten des Ganzen angehst. Aber streichen? Sicher, thematisch ist das vielleicht nicht grim und dark, aber ein Roman braucht doch auch etwas Farbe, nur Grau in Grau bedeutet den Verlust von Details, Tiefe und Schärfe. Und nicht zuletzt ist das von dir geschilderte Verhalten menschlich, passt also. My two cents. :)

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      1. Fühlst du dich denn mit der Szene mittlerweile etwas wohler? Zumindest soweit, dass du sie vorerst stehen lassen kannst?
        Ich hab manchmal echt das Gefühl, ich müsse mich sofort darum kümmern, dass die „perfekt“ werden, und versuch mittlerweile, eher weiterzuschreiben. Aber das kennst du sicher zur Genüge, oder?

        PS: Gut, dann gibts nächstes Mal drei davon! :D

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  6. Deinen Textauszug finde ich jetzt nicht so typisch Romantasy. Selbst wenn: Vergiss die Konventionen bestimmter Genre und schreib einfach wie es dir gefällt. Erst wenn du komplett fertig mit dem Buch / Projekt bsit, weißt du, ob diese Szene passt oder gekürzt / gestrichen werden muss. Wenn du jetzt schon streichst und kürzt, verhaspelst du dich total…

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